Deprecated: mysql_connect(): The mysql extension is deprecated and will be removed in the future: use mysqli or PDO instead in /home/kunstblog/public_html/rss/db.php on line 3
RSS kunstblog-muenchen.de http://kunstblog-muenchen.de Ein Kunstblog für Münche de

FRANK BALVE 2017 http://kunstblog-muenchen.de/subFRANK-BALVE-2017.html http://kunstblog-muenchen.de/subFRANK-BALVE-2017.html 19:18:48 27. Februar 2017

"Anlage" 2017, ©Frank Balve.

Schon einmal habe ich auf kunstblog-muenchen über eine Arbeit von Frank Balve geschrieben: Im Herbst 2013 war es „Cluster“ in der Galerie der Künstler, die mich zum Staunen brachte. Sie bestand aus 63 zellenartigen Räumen, die sich in dem abgedunkelten Gewölbe der Galerie der Künstler verteilten. Ich wußte bereits damals, dass man den Namen dieses Künstlers noch häufig hören würde und so war es auch.


"Anlage" 2017, ©Frank Balve.

Seine Zeit an der Akademie der Bildenden Künste hat Frank Balve nun im Rahmen der Diplomausstellung 2017 mit der zweiteiligen Arbeit „Anlage“ und „Kabine III“ beendet. Noch stehen die Kreuzfelder des Werkes „Anlage“ vor der Akademie: rechts und links des Zugangs zum Altbau der Akademie befinden sich zwei etwa gleich große eingezäunte Bereiche mit weissen Kreuzen. Ein hoher schwarzer Maschendrahtzaun trennt sie von ihrer Umgebung so dass der Betrachter aussen vor bleibt. Ihm bieten sich die weissen Flächen der Kreuze als Projektionsfläche. Denn obwohl die vordergründige Symbolik der Arbeit für einen kurzen Moment die Richtung weist, hemmt der ein wenig bedrohlich wirkende Zaun und die unmittelbare Umgebung die Assoziation mit einem Gräbermeer. 

Im Gespräch mit Frank Balve erweist sich mein Eindruck als richtig. Statt von einem Friedhof spricht er von einem Feld mit weissen Holzkreuzen, von einem Rückzugsort. Für was oder wen bleibt offen. 


Diplom 2017, Frank Balve "Kabine III", ©Killian Blees.

Der zweite Teil der Abschlussarbeit von Frank Balve nennt sich „Kabine III“ und ist leider nicht mehr öffentlich einsehbar. Es handelt sich um eine raumgreifende Kapelle aus gehäckseltem Papierzellstoff, der in mehreren Lagen auf eine Trägerform aufgesprüht wurde. Wie die Kreuze, ist auch die Kapelle strahlend weiss und mit demselben schwarzen Maschendrahtzaun umzäunt. Doch dieses Mal befindet sich der Betrachter innerhalb der Absperrung sobald er den Raum betritt und die Türe hinter sich schließt. Drei weisse Bänke aus recycelten Grabsteinen laden den Besucher zum Verweilen ein.

Eine kleine Wegkapelle des Münchner Nordfriedhofs diente dem Künstler als Vorlage für diese Arbeit. Die Proportionen und Details des Nachbaus sind jedoch dem Raum der Akademie angepasst und lassen insofern keine weiteren Rückschlüsse auf die Münchner Kapelle zu. 


"Kabine III", 2017, ©Frank Balve.

Im Inneren der Kapelle, welche man nicht betreten kann, befinden sich 6 schmale Bänke und eine Altar der aus einem weissen Leuchtkasten auf einem Sockel und einem großen, dominanten Kreuz besteht. Durch die Abstrahierung des kirchenartigen Gebäudes sowohl in Material, als auch in der Farbe und der Reduktion der Versatzstücke findet auch hier eine Bereinigung der aufgeladenen Symbolik statt.  Ähnlich einer tabula rasa  ist der Betrachter frei seine eigenen Sinnbilder zu kreieren und auf die bereinigten Flächen zu projizieren. 

Frank Balve schafft Rückzugsorte, die dem Betrachter eine körperliche und mentale Auseinandersetzung abverlangen. Er spielt mit Inhalten indem er Äusserlichkeiten verändert und Formen abstrahiert, um neuen Kontexten Raum zu geben. Bei alldem kommt die Ästhetik in seiner Arbeit nie zu kurz.

]]>
Anlage & Kabine III http://kunstblog-muenchen.de/subAnlage-&-Kabine-III.html http://kunstblog-muenchen.de/subAnlage-&-Kabine-III.html PLATFORM OPEN STUDIOS http://kunstblog-muenchen.de/subPLATFORM-OPEN-STUDIOS.html http://kunstblog-muenchen.de/subPLATFORM-OPEN-STUDIOS.html 17:05:44 07. November 2016 Ein Wochenende lang öffnen die Künstler_innen der PLATFORM ihre Ateliers. Wo sonst hinter geschlossenen Türen produziert wird, sind aktuelle künstlerische Positionen aus Fotografie, Design, Graphik, Malerei, Bildhauerei, Textil, Hörspiel, experimentelle Film- und Soundkunst zu entdecken. Bei Musik und Getränken laden die offenen Ateliers zu neuen Einblicken und Austausch mit den Künstler_innen ein.

In der Halle der PLATFORM versammelt parallel eine Ausstellung Meisterstücke der Künstler_innen aus den Ateliers. Die Idee des Meisterstücks oder Masterpiece stellt Fragen nach den Kriterien, die eine besonders gelungene künstlerische Arbeit ausmachen, der Notwendigkeit des Begriffs als Qualitätsmerkmal und letztlich nach dem Wert eines Kunstwerkes. Diese Fragen werden in der Form einer Jahresausstellung gestellt, diskutiert und mittels der präsentierten Arbeiten erkundet. Weiterer Austausch mit den Künstler_innen und ihren Arbeiten ist auch im Rahmen von Führungen junger Kurator_innen durch die Ateliers möglich.

Der letztjährige Publikumspreisträger des Kunstclub 13 e.V., Korbinian Jaud, präsentiert den Künstler Max Weisthoff im Gastatelier der PLATFORM. Die Besucher_innen sind während der Open Studios dazu eingeladen die raumgreifende Installation „Lebendige Arbeit“ zu entdecken.

Zum Programm und weiteren Details geht es HIER.

]]>
KEINE Massenware aus dem Kaufhaus http://kunstblog-muenchen.de/subKEINE-Massenware-aus-dem-Kaufhaus.html http://kunstblog-muenchen.de/subKEINE-Massenware-aus-dem-Kaufhaus.html 18:57:47 19. Oktober 2016

 

Mit HÄPPY ART ruft Iva Vasileva, die 6 Jahre lang die STROKE ART FAIR in München und Berlin umgesetzt hat, ein neues Ausstellungsformat ins Leben, das kreativer Massenware aus dem Kaufhaus den Kampf ansagen soll. „Wir wollen unseren Besuchern die lokalen Künstler und ihre wunderschönen Kunstwerke nicht nur vorstellen, sondern sie auch in direkten Kontakt bringen. Kunst muss nicht aus dem Möbelhaus kommen oder teuer sein.“ Damit wagt Iva Vasileva einen Schritt „zurück“, denn in München fand schon seit 20 Jahren kein richtiger Künstlermarkt mehr statt.

Die neue Verkaufsausstellung distanziert sich bewusst vom klassischen Kunstmarkt mit seinen eingespielten Umgangsformen, Whitecubes und Diskussionen zur Frage „Was ist Kunst und was nicht?“. Gerade die Erfahrungen auf den eigenen Messen, die Vasileva in den letzten 6 Jahren sammeln konnte, zeigten ihr, dass sich zwar viele Münchner für Kunst interessieren und Ausstellungen und Messen besuchen, dann aber häufig mit einem Unverständnis über die hohen Preise nach Hause gehen. Diesem Frust möchte Iva Vasileva nun das neue Münchner Format entgegensetzen.

HÄPPY ART folgt einem ganz einfachen Ansatz: Erlaubt ist, was gefällt und es wird nicht viel kosten! Die knapp 100 ausstellenden Künstler zeigen Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Illustration, Grafikdesign, Collagen, Fotografie und Skulpturen – mit einem Verkaufspreis unter 400 EUR.

HÄPPY ART / Praterinsel 3 - 4 / 80538 München

Öffnungszeiten: Samstag, 22.Oktober 2016 / 12 – 20 Uhr Sonntag, 23. Oktober 2016 / 12 – 18 Uhr

Text und Abbildungen: © 2016 Häppy Art.

 

© Corinna Naumann, courtesy: Häppy Art 2016.

 

© Michael Gatzke, courtesy: Häppy Art, 2016.

© Johanna Schreiner,  courtesy: Häppy Art, 2016.

© Reza Momen, courtesy: Häppy Art, 2016.

© Reiner Binsch, courtesy: Häppy Art, 2016.

© Sven Ballenthin, courtesy: Häppy Art, 2016.

]]>
CORAL NORTH http://kunstblog-muenchen.de/subCORAL-NORTH.html http://kunstblog-muenchen.de/subCORAL-NORTH.html 16:59:52 18. Oktober 2016

 Alexander Skorobogatov: "White Cube Jungle", 2015, Installationview, courtesy: easy!upstream.

Unter dem Titel „CORAL NORTH“ bespielt das Kuratorenkollektiv easy!upstream einen weitläufigen Seitenflügel der neu gebauten Tiefgarage unter dem Schwabinger Tor an der Leopoldstraße. Diese Tiefgarage ist die größte und modernste ihrer Art Deutschlands. Die Tiefgarage als unwirtlicher und technoider Durchgangsort wird dabei als Inkubator genutzt und das unterirdische Betonriff durch die Kunst zum fluoreszieren gebracht.

Kay Walkowaiak: "Roof of Shadows", 2014, Installationview, courtesy: easy!upstream.

Gezeigt wird eine Auswahl zeitgenössischer, internationaler künstlerischer Positionen an den Schnittstellen von Skulptur, Installation und Video- wie Medienkunst.

Die gezeigten Arbeiten verhandeln Fragen nach „artificial nature“, surrealen Welten, Materialtransformationen und biomorphen Formsprachen und bewegen sich dabei im Spannungsfeld zwischen einer zunehmend digitalen Ästhetik und der greifbaren und analogen Umsetzung im Medium wie im Raum. Die Kunstwerke durchspannen die Tiefgarage in einem dichten Netz aus Referenzen und Bezügen. Unterschiedliches Material wird dabei von Künstlern assoziiert, absorbiert und transformiert, in seine Bestandteile zerlegt und neu genutzt. Die interdisziplinären Arbeiten schaffen komplexe dynamische Systeme und Imaginationsräume und ziehen den Betrachter auf unterschiedlichen Ebenen in den Bann. Die Tiefgarage wird gleich einem Betonriff zum Leben erweckt - ein gemeinsames Vordringen in unbekannte Welten.

Yuri Ancarani: "Il Capo (the Chief)", 2010, Installationview, courtesy: easy!upstream.

Eine Tiefgarage ist kein klassischer Ausstellungsort, die unkonventionellen Gegebenheiten werden von den Künstlern und Kuratoren aktiv bespielt und bewusst inszeniert. Die künstlerischen Installationen und Eingriffe unterstreichen den Charakter des Orts und verändern subtil seine Wahrnehmung.


CORAL NORTH, Installationview, courtesy: easy!upstream.

Dauer der Ausstellung: 15.-19.Oktober 2016, 11-20 Uhr

Ort: Tiefgarage Schwabinger Tor, Leopoldstraße 182–184, 80804 München.

Text: Pressetext: easy!upstream: CORAL NORTH.

Christine Liebich: "The Dark Knights 1-3", 2016, courtesy: easy!upstream.

Teilnehmende Künstler:

Regine Rode, Saskia Olde Wolbers, Martine Syms, Angelika Loderer, Ivo Rick, Christine Liebich, Niko Abramidis &NE, Gabi Blum, Kay Walkowiak, Emanuel Mooner, Susi Gelb, Alexander Skorobogatov, Lukas Glinkowski, Catherine Biocca, Zadie Xa.

Regine Rode: "Betonrausch" 2016, "Franz" 2016, "Repatriierung" 2016, Installationview, courtesy: easy!upstream.

]]>
DIE AUKTION http://kunstblog-muenchen.de/subDIE-AUKTION.html http://kunstblog-muenchen.de/subDIE-AUKTION.html 15:49:01 13. Juni 2016 Im Kunstpavillon im Alten Botanischen Garten in München findet am 19.06.2016 um 14 Uhr eine Benefizauktion zugunsten bedürftiger Kinder mit Migrationshintergrund statt.

Mehr als 50 junge und etablierte Künstler aus München spenden ihre Werke für den guten Zweck und setzten so ein Zeichen der Solidarität und Hilfsbereitschaft. Zur Besichtigung geht man am besten schon zur Vernissage der Ausstellung der Werke am Mittwoch, den 15 Juni, ab 18 Uhr. Die Musik von Dompteur Mooner und Drinks sorgen für den entsprechenden Rahmen.

Weitere Informationen zur Ausstellung und Auktion, sowie den Katalog der Arbeiten findet Ihr unter:

Kunstpavillon oder Die Auktion.

]]>
NULLSERIE POPUP GALLERY http://kunstblog-muenchen.de/subNULLSERIE-POPUP-GALLERY.html http://kunstblog-muenchen.de/subNULLSERIE-POPUP-GALLERY.html 19:32:29 28. April 2016

"Thakgil" ©Thorsten Harms.

Die Ladenräume der Maximilianstraße 33 beherbergen seit einiger Zeit eine weitere interessante Popup Galerie: Nullserie ist ein Zusammenschluss von Designern und Künstlern, die ihr Schicksal in die eigene Hand genommen, einen Blog ins Internet gestellt haben, in welchen sie ihre Aktivitäten dokumentieren und freistehende Räumlichkeiten nutzen um Ausstellungen zu organisieren. 

 

Installation View, ©Thorsten Harms, 2016, Hocker von Stefan Hoffmann.

5 junge Designer (Sophie Erbacher, Lena Gillitzer, Andreas Häussler, Lorenz Noelle und Steffan Hoffman) und der Fotograf Thorsten Harms stellen hier noch bis Mitte Mai ihre Arbeiten aus. Alle gezeigten Werke setzten sich auf ihre eigene Art und Weise mit Materialität und Zeit auseinander. Thema ist die Transformation von Gegenständen, Orten und Materialien durch Verfall und Wiederverwendung. So entsteht eine gelungene Symbiose der einzelnen Werke: Kronleuchter aus tausenden von leeren und entsorgten Patronenhülsen, leuchtende Gipsschalen, die zu einer Lichtinstallation zusammengefügt wurden, objekthafte Hocker aus ECOR, einem biobasierten und vollständig abbaubaren Werkstoff oder eine Bank aus einem verformten Trittgitter. Zusammengehalten werden diese Designstücke durch die in allen Räumen der Galerie hängenden Fotografien von Thorsten Harms.  Sie zeigen eine umfangreiche Serie von Objet Trouvés, meist weggeworfene und zur Entsorgung auf die Strasse gestellte Alltagsgegenstände, die ihren Reiz in der rein zufällig skulpturalen Aufstellung im urbanen Bereich haben. 

 

"Warhead", Sophie Erbacher & Lena Gilitzer.

 

Heute, am 28.04.2016 findet von 17 - 22 Uhr in der Galeriebar ein Afterwork Apero statt, wie ich finde ein besonders geeigneter Anlass sich die Ausstellung anzusehen und dabei in einer tollen Off-Location gut Drinks zu günstigen Preisen mit interessierten Menschen zu geniessen. Weitere Veranstaltungen werden auf der Facebookseite der Galerie bekanntgegeben.

Installation View: Galeriebar, ©Thorsten Harms, 2016.

 

"NTG1322", Andreas Häussler & Lorenz Noelle.

Installation View: Sophie Erbacher & Lena Gilitzer.

]]>
TAKE IT - DON'T LEAVE IT! http://kunstblog-muenchen.de/subTAKE-IT---DON'T-LEAVE-IT!.html http://kunstblog-muenchen.de/subTAKE-IT---DON'T-LEAVE-IT!.html Larry Gagosian und Pablo Picassos Buste de femme, 1931 http://kunstblog-muenchen.de/subLarry-Gagosian-und-Pablo-Picassos-Buste-de-femme,-1931.html http://kunstblog-muenchen.de/subLarry-Gagosian-und-Pablo-Picassos-Buste-de-femme,-1931.html 07:34:35 03. Februar 2016 Kann Larry Gagosians Feststellungsklage über die Eigentumsverhältnisse einer 100 Millionen Dollar Skulptur von Picasso den Kunsthandel nachhaltig verändern?

Larry Gagosian gehört zu den mächtigsten Galeristen der Welt. Sein Jahresumsatz wurde allein für 2015 auf 652 Millionen US Dollar beziffert. Was er dafür zu tun bereit ist, darüber konnte bisher nur spekuliert werden. Doch wirklich geschadet haben ihm diese Spekulationen bisher nicht. Dies könnte sich bald ändern. Denn nun ist ein Verfahren anhängig, welches es in sich hat die Machenschaften dieses globalen Powerplayers des Kunsthandels offenzulegen. Seit Dezember letzten Jahres ist am US District Court in New York eine Klage anhängig in welcher die Firma Gagosian Gallery Inc. als Kläger auftritt. Es geht augenscheinlich um die Eigentumsverhältnisse an einer Skulptur von Pablo Picasso aus dem Jahre 1931 (Buste de femme (Marie Thérèse) und es geht um sehr viel Geld. Genauer gesagt um 105.8 Millionen US Dollar. Doch dieses Verfahren wird wohl nicht nur die Eigentumsverhältnisse an einer Skulptur klären. Vielmehr ist zu erwarten, dass der Rechtsstreit Licht auf die undurchsichtigen und meist geheim gehaltenen Umstände und Abmachungen solch privater Mega-Verkäufe im Kunsthandel werfen wird und damit die nebulösen Übereinkommen des privaten Kunsthandels zumindest in diesem Fall offengelegt werden könnten.

Hintergrund der Klage ist, sowohl Gagosian als auch Guy Bennett (ehemals Christies Mann für Moderne Kunst und Impressionismus, inzwischen zuständig für die Sammlung der königlichen Familie von Qatar) behaupten, sie seien Eigentümer der Skulptur. Gagosian trägt vor, er habe die Arbeit im Auftrag eines New Yorker Sammlers gekauft, der anonym bleiben möchte, während Pelham wohl für Sheik Jassim bin Abdulaziz al-Thani aus Qatar tätig wurde. Folgender Sachverhalt ist der mir vorliegenden Klageschrift zu entnehmen:

Maya Widmaier-Picasso, Tochter von Marie-Thérèse Walter und Pablo Picasso, verkaufte die Skulptur zunächst im November 2014 durch einen Mittelsmann, die Connery Pissaro Seydoux Gruppe (CPS), an die von Guy Bennett gegründete Pelham Europe Ltd.. Die Parteien handelten zusammen mit Mayas Sohn, Olivier Widmaier-Picasso, einen Kaufpreis von 38 Millionen Euro (ca. 42 Millionen USD) aus, welcher in 3 Raten an Maya bezahlt werden sollte. Erst nach der Zahlung der dritten Rate würde das Eigentum an den Käufer übergehen. Vorher sollte Pelham keinerlei Rechte an der Skulptur erhalten. Der Zahlungsplan wurde in der Vereinbarung wie folgt festgelegt:

  1. 01. Dezember 2014 : 1.900.000 Euro
  2. 15. Januar 2015:       4.100.000 Euro
  3. 20.April 2015:          32.000.000 Euro

Bevor jedoch die dritte Rate bezahlt werden konnte, kündigte Maya am 10. April 2015 den Vertrag mit Pelham auf Anraten ihrer Tochter Diana Widmaier-Picasso und zahlte prompt die beiden ersten Raten an CPS zurück, welche wiederum das Geld an Pelham weiterleiteten. Soweit scheint der Vorgang unstrittig.

Gagosian behauptet nun aber, er sei der rechtmäßige Eigentümer, denn Maya habe ihm die Skulptur frei von Lasten im Mai 2015 verkauft.  Er habe die Skulptur im Übrigen bereits an den bereits erwähnten anonymen New Yorker Sammler weiterveräußert. Das Eigentum sei am 2. Oktober 2015 mit Zahlung einer dritten Rate (75 % des Kaufpreises von 105.8 Millionen USD) auf ihn übergegangen. Als Beweis hierfür legt Gagosian bisher nur eine Rechnung, nicht jedoch den eigentlichen Kaufvertrag vor. Ein Kaufpreis über 100 Millionen US Dollar sei angemessen gewesen, da bereits 2011 anlässlich einer Ausstellung in Gagosians Galerie in Chelsea mehrere Angebote über 100 Millionen Dollar eingegangen waren. Gagosian deutet in seiner Klageschrift ferner an, dass der weit unter dieser Marge liegende Kaufpreis aus dem Pelham-Vertrag gegen die guten Sitten verstoßen und der Vertrag aus diesem Grunde bereits nichtig sein könnte.

Seine Argumentation stützt der Galerist aber vor allem auf die Tatsache, dass in dem Vertrag zwischen Maya und Pelham (vertreten durch CPS) vereinbart wurde, dass das Eigentum erst mit voller Bezahlung des Kaufpreises übergehen sollte und dies nie geschehen sei. Ausserdem habe Pelham die Rückzahlung der ersten beiden Raten angenommen. Daraus schließt Gagosian dass Pelham nie Eigentum aus dem Vertrag erlangt habe. Zudem sei der Galerist zum Zeitpunkt seines Eigentumserwerbs bezüglich der Rechte an der Skulptur in "Guten Glauben" gewesen, denn erst als Pelham Ende Oktober 2015 sich mit einem Brief an ihn wandte, habe Gagosian von möglichen Vorrechten der Pelham Ltd. an der Skulptur erfahren. Inzwischen klagt Pelham an 3 Gerichten (Schweiz, Frankreich und New York) auf Herausgabe der Skulptur, Annahme des Kaufpreises durch Maya und Offenlegung der Vorgänge bezüglich der Vereinbarung zwischen Gagosian und Maya.

Zur Zeit befindet sich Buste de femme (Marie Thérèse), 1931 im Museum of Modern Art in New York und wird in der noch bis zum 07. Februar andauernden Ausstellung "Picasso Sculpture" gezeigt. Was danach mit ihr passiert, ist noch vollkommen offen. Wie bereits erwähnt, beruft sich Gagosian vor Allem darauf, dass er das Eigentum von Maya Widmaier-Picasso erlangt habe. Da das Eigentum auch noch nicht an Pelham übergegangen war, konnte Maya ihm auch Eigentum verschaffen. Wie sieht es jedoch mit der Anwartschaft aus, die Pelham aus dem früheren Vertrag mit Maya erlangt hatte? War der Pelham-Vertrag einseitig durch Maya kündbar? War der Vertrag vielleicht sogar von Anfang an wegen Sittenwidrigkeit nichtig? Das wäre unter Umständen dann der Fall, wenn ein auffälliges Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung bestünde und Pelham sich ein mangelndes Urteilsvermögen der 80-jährigen Maya zunutze gemacht hatte. Wie aber wird der Marktwert einer solchen Skulptur überhaupt ermittelt und gab es die ominösen Bieter aus dem Jahr 2011 tatsächlich? Wenn der Vertrag allerdings gültig war und man all die vorstehenden Fragen ablehnt, kann dann die Annahme der Rückzahlung des Kaufpreises an Pelham als eine einvernehmliche Rückabwicklung gedeutet werden? 

Wenig ist bisher bekannt über die Vereinbarung zwischen Gagosian und Maya: Was genau wurde zwischen den beiden verabredet? Wußte der Galerist vielleicht bei Vertragsabschluss bereits, dass es Vorrechte gab? Er behauptet: Nein. Doch welche Sorgfalt hat Gagosian bezüglich seines Guten Glaubens angewendet und war dies ausreichend. Hätte er vielleicht eigene Nachforschungen anstrengen müssen, um sicherzustellen, dass die Skulptur frei von Rechten Dritter ist? Gab es seitens des Verkäufers (Maya) Zusicherungen bezüglich der Eigentumsrechte an der Skulptur? Auch dies ist bei Verträgen dieser Größenordnung durchaus üblich. Zudem stellt sich die Frage wie der Kaufpreis von 105.8 Millionen USD ermittelt wurde? Sollte Maya bereits zum Zeitpunkt des Pelham-Vertrages ein mangelndes Urteilsvermögen angelastet werden, so wird man dieses vielleicht auch bezüglich des Gagosian-Vertrages bejahen können, so dass auch dieser Vertrag fehlerhaft war? Sicherlich werden auch möglich Schadensersatzansprüche der Parteien in diesem Fall besprochen werden müssen. 

Der vorliegende Rechtsstreit wirft einige Fragen auf, die es in sich tragen den Kunstmarkt wesentlich zu prägen. Die in Frage stehenden Verträge werden wohl offengelegt und Vereinbarungen bekannt gemacht werden. Dass es im Kunsthandel um imense Werte geht, ist längst bekannt. Das vorliegende Verfahren könnte uns jedoch einen kleinen Einblick in mögliche Manipulationen und Strategien des Marktes verschaffen, welche man bisher lieber geheim gehalten hatte. Gagosian arbeitet seit vielen Jahren eng mit Mayas Tochter, der Kunsthistorikerin Diana Widmaier-Picasso zusammen. Auch die Ausstellung "Picasso and Marie Thérèse" im Jahr 2011 entstand in enger Zusammenarbeit. Beide haben ein großes Interesse daran, anhand der im Zentrum dieses Rechtsstreits stehenden Skulptur ein Exempel bezüglich des Preises zu statuieren.  Bisher waren die Skulpturen im Vergleich zu den Gemälden Picassos eher unterbewertet. Sollte Gagosian den Rechtsstreit gewinnen, würde sich dies schlagartig ändern und sein Jahresumsatz könnte sich weiter nach oben bewegen. Auch Diana, die zur Zeit an einem Catalogue Raisonné über Picassos Skulpturen arbeitet würde deutlich davon profitieren. 

Nachtrag: Am 01. Februar kamen die Parteien zu einer vorübergehenden Einigung: Picassos Buste de femme (Marie Thérèse), 1931 wird nach Ende der Ausstellung im MOMA am kommenden Sonntag temporär in die Galerie von Larry Gagosian verbracht und dort bis zur Entscheidung über den Rechtsstreits verwahrt werden. 

HIER geht es zu einer Abbildung von Buste de femme (Marie Thérèse), 1931 von Pablo Picasso.

]]>
MARTIN BACKES http://kunstblog-muenchen.de/subMARTIN-BACKES.html http://kunstblog-muenchen.de/subMARTIN-BACKES.html 12:52:50 22. Juli 2015 Was haltet Ihr hiervon: Ein Computer singt emotionsgeladene Lieder der 90er Jahre. Es scheint als versuche die maschinelle Stimme des Apparates die Dramaturgie der Songs in menschliche Emotionen verwandeln zu wollen. "What do machines sing of?" Menschen singen über und mit Gefühl. Gelingt dies auch einer Maschine und erwarten wir dies überhaupt von einer solchen?

 

 

© Martin Backes, "What do machines sing off?", 2015.

 

Der Künstler beschreibt seine Arbeit mit diesen Worten: "What do machines sing of?“ is a fully automated machine, which endlessly sings number-one ballads from the 1990s. As the computer program performs these emotionally loaded songs, it attempts to apply the appropriate human sentiments. This behavior of the device seems to reflect a desire, on the part of the machine, to become sophisticated enough to have its very own personality.

 

Martin Backes ist 1977 in Deutschland geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin. Mehr über den Künstler und seine Arbeit findet ihr HIER. 

]]>